Ein Blick auf die Raffinerie im Wandel der Zeit
Spannhoff nahm die Anwesenden mit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als im Emsland und der Grafschaft Bentheim Erdölfunde gemacht wurden. Weil das schwere Emsland-Öl jedoch kaum zu transportieren war, beschloss man, es direkt vor Ort zu verarbeiten. 1950 begann der Bau der Raffinerie, finanziert durch den Emslandplan, mitten im damaligen „Armenhaus Deutschlands“. Bis zu 800 Menschen fanden auf der Baustelle sichere Arbeit.
Technologisch setzte die Anlage auf das katalytische Cracken, damals ein in Europa einzigartiges Verfahren. Der 100 Meter hohe Crackturm wurde zu einem neuen Wahrzeichen des südlichen Emslands. Spannhoff berichtete, wie das Projekt 1953 beinahe scheiterte: „Nach einem Brand geriet der Turm in starke Schieflage, konnte aber durch den hohen Einsatz der Ingenieure und Arbeiter vor einem Einsturz gerettet werden. Mit einem stählernen Korsett richteten sie ihn wieder auf, und fünf Monate später lief die Produktion weiter.“ Schnell wuchs die Zahl der Beschäftigten und die Region veränderte sich. Es entstanden über 300 Werkswohnungen in Heukamps Tannen und am Hohenpfortenweg. Dank der Gewerbesteuereinnahmen investierte Holthausen in Schulen, Straßen und Kläranlagen.
Nachbarn halfen sich beim Hausbau, Kolleg:innen wurden Freund:innen. „In der Kantine feierte man Geburtstage und Weihnachtsfeiern, Kinder tobten auf Sommerfesten, und Sportveranstaltungen wurden zum festen Bestandteil des Betriebslebens“, beschrieb der Museumsleiter die Atmosphäre der damaligen Zeit. Die Raffinerie war Arbeits- und Lebensmittelpunkt, eine große Familie. Viele blieben ihr Leben lang, oft über Generationen.
„In den 1980er und 1990er Jahren stand die Raffinerie mehrfach vor dem Aus. Doch Belegschaft, Politik und Region hielten zusammen: Mitarbeitende verzichteten auf Lohn, Städte und Land unterstützten. Mit Millioneninvestitionen in moderne Technik und Umweltschutz wurde das Werk zu einem der fortschrittlichsten Standorte Europas, schloss Spannhoff die bewegende Geschichte der Raffinerie ab. „Sie war immer mehr als Industrie, sie war ein Stück Identität. Und prägt das Emsland bis heute.”