Wenn in der bp/Aral Forschung in Bochum ein neuer Kraftstoff entwickelt und an die Tankstelle gebracht wird, laufen viele Fäden bei Dr. Wenzel Strojek zusammen. In seiner Rolle als Expert Technologist steuert er die Markteinführung neuer Aral Kraftstoffe in Deutschland. In den letzten Jahren waren das auch Kraftstoffe, die durch höhere Anteile erneuerbarer Komponenten im Rahmen ihres Herstellungsprozesses einen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen leisten können – eine echte Herausforderung für die Forscher:innen.
Bildunterschrift: Den neuen Aral Ultimate Diesel hat Wenzel Strojek mit dem Team in Bochum mitentwickelt und eingeführt. Ihn das erste Mal an der Tankstelle zu tanken, war deshalb ein besonderer Moment.
Von der Idee ins Reagenzglas
„In meiner Rolle leite ich Projekte aus dem Bereich der Kraftstofftechnologie, an deren Ende wir neue Kraftstoffprodukte an die Zapfsäule bringen“, berichtet Wenzel Strojek. Bis es so weit ist, braucht es bei einem neuen Kraftstoff rund fünf Jahre Entwicklungsarbeit, die von international aufgestellten Entwicklungsteams geleistet wird. Der erste Schritt ist schlicht die Idee für ein neues Produkt. Im zweiten folgt viel Theorie: Mit Hilfe von Fachliteratur, Simulationen und Modellierungen können die Kraftstoffexpert:innen in Bochum vieles voraussagen, bevor auch nur ein Test im Labor passiert. Erst wenn ein Ansatz wirklich überzeugt, geht es in die Praxis.
Dann übernimmt ein Team von rund 20 Spezialist:innen im Labor. Wenzel Strojek hat vor seiner jetzigen Rolle selbst das Labor für Kraftstoffprodukte der Forschung geleitet. Dass er die Abläufe gut kennt, hilft ihm heute, wenn er die Tests vom Schreibtisch aus plant und auswertet. Er muss die richtigen Schlüsse ziehen und zum Beispiel entscheiden, welche erneuerbaren Komponenten vielversprechend sind und weiterverfolgt werden. Während in den Projektteams die Ergebnisse ausgewertet werden, arbeiten die Kolleg:innen im Labor bereits an den nächsten Tests. Denn in der bp/Aral-Forschung läuft vieles parallel: Während es bei einigen Analysen noch um die grundsätzliche Frage der Realisierbarkeit geht, laufen andere Formeln schon in Optimierungsrunden.
Von der „Mini-Raffinerie“ zum Feldversuch
Ein Aral Kraftstoff enthält hunderte verschiedene Komponenten. Ihre Zusammensetzung wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit, auf Emissionen im Rahmen des Herstellungsprozesses, aber auch auf die Sauberkeit der Motoren aus. Erst wenn alle Komponenten optimal in Einklang gebracht sind, werden größere Mengen des neuen Kraftstoffes produziert. Das geschieht zum Beispiel in einer eigenen Pilotanlage der Forschung – sozusagen eine „Mini-Raffinerie“. Rund fünf Liter pro Tag werden darin für erste Tests produziert. Anschließend folgen Feldversuche für die Produktion größerer Mengen.
„Wenn die ersten Liter des neuen Kraftstoffs produziert sind, kommt für uns der spannendste Teil des Entwicklungsprozesses“, berichtet Wenzel Strojek. Das erste Mal wird das neue Produkt in echten Motoren und Fahrzeugen getestet. „Dann sehen wir, ob es so funktioniert, wie die Daten und Versuche es vorher versprochen haben, und der Kraftstoff zum Kunden gebracht werden kann.“
Zehn Jahre – viele Innovationen
In den zehn Jahren, in denen Wenzel Strojek in der bp/Aral Forschung mittlerweile in seiner Position arbeitet, hat er einige dieser spannenden Momente erlebt. Besonders eng hat er die Entwicklung der neuen Formel für den Hochleistungskraftstoff Aral Ultimate Diesel begleitet. „Die Herausforderung war, im Rahmen des Herstellungsprozesses CO2-Einsparungen bei einer gleichbleibenden Performance des Kraftstoffes zu schaffen“, erzählt der Expert Technologist. Den Forscher:innen aus Bochum ist es gelungen: Im Jahr 2024 kam der neue Ultimate Diesel mit mindestens 15 Prozent einer hydrierten, erneuerbaren Komponente (HVO)1 auf den Markt.
Zwei Meilensteine aus der Bochumer bp/Aral Forschung
Die neue Formel von Aral Ultimate Diesel wurde 2024 eingeführt und liefert High-Performance mit bis zu 66 km mehr Reichweite pro Tankfüllung2. Mit mindestens 15 Prozent erneuerbarer HVO-Komponente spart der Kraftstoff 12 Prozent CO2 im Vergleich zu fossilem Diesel ein3. Darüber hinaus ist der Kraftstoff das ganze Jahr über in seiner außergewöhnlichen Winterqualität mit einem Cold Filter Plugging Point (CFPP) von bis zu -34 °C4 erhältlich.
Der erneuerbare5 Kraftstoff für Lkw wurde 2025 eingeführt und ist an mehr als 30 Standorten (Status Dezember 2025) verfügbar. Aral HVO erreicht eine Well-to-Wheel-Einsparung von mindestens 85 Prozent CO26 gegenüber fossilem Diesel. Er kann in vielen Lkw ohne Umrüstung eingesetzt werden7 und ist ideal für Flotten, die ihre Emissionen reduzieren möchten.
Erneuerbare Rohstoffe fordern Forscher:innen heraus
Erneuerbare Komponenten spielen bei der Entwicklung neuer Kraftstoffe in Bochum derzeit eine wichtige Rolle. Mittlerweile reicht die Materialpalette von abfallbasierten Frittierölen bis hin zu Abfällen aus der Papier- oder Holzverarbeitung, auch neue Rohstoffe werden untersucht. So vielfältig diese Rohstoffe sind, so unterschiedlich ist ihre Qualität. „Wir bekommen manchmal Komponenten mit hohen Versprechungen angeboten“, berichtet Wenzel Strojek. „Im Labor stellt sich dann aber heraus, dass die Eigenschaften oder die Qualität nicht gut genug sind. Ein Problem – speziell für den hohen Qualitätsanspruch an die Aral Kraftstoffe. Deshalb gilt es, Materialien und Lieferanten sorgfältig auszuwählen.
Innovationen mit Sofort-Effekt
Am Ende sind es aber auch diese komplexer werdenden Herausforderungen, die die Arbeit von Wenzel Strojek auch nach zehn Jahren spannend machen. Und das Wissen, einen echten Unterschied machen zu können. Denn Kraftstoffe mit erneuerbaren Komponenten können einen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen leisten. „Im Pkw-Verkehr werden noch Millionen Fahrzeuge auf Verbrennerbasis jahrzehntelang unterwegs sein. Der Schwerlastverkehr wird sich zudem langsamer elektrifizieren lassen“, erklärt Wenzel Strojek. Mit Kraftstoffen mit erneuerbaren Anteilen können CO2-Emissionen im Herstellungsprozess eingespart werden. Auch an der Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe für den Flugverkehr (SAF, Sustainable Aviation Fuel) arbeitet die bp/Aral Forschung seit vielen Jahren intensiv.
Technologieoffen in die Zukunft
Doch längst geht es in Bochum nicht mehr nur um flüssige Kraftstoffe, sondern auch um die Aral pulse Ultraschnell-Ladesäulen. Damit sie zuverlässig funktionieren, wurden sie vor der Installation im Feld auf Herz und Nieren überprüft.
Dass die Forschung heute technologisch breiter aufgestellt ist und auch stark international vernetzt arbeitet, ist für Wenzel Strojek ein Ansporn. „Die Mobilität wird vielfältiger und wir haben die Chancen, diesen Wandel nicht nur für Deutschland, sondern auch in anderen Märkten mit unseren Innovationen mitzugestalten“, resümiert er. Eines ist jedoch bei allen technologischen Lösungen für ihn gleich: „Wenn man ein neues Produkt das erste Mal selbst an einer Aral Station sieht, dieser Moment ist unbezahlbar.“
1Aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, die in der Richtlinie (EU) 2018/2001 (RED II) Annex IX Teil A oder B aufgeführt sind.
2Basiert auf einer Reichweite von 850 km pro Tank. Gemessen in einer Fahrzeugflotte im Vergleich zu herkömmlichem Diesel-Kraftstoff (Kraftstoff, der lediglich die DIN EN Norm erfüllt). Durchschnittliche Steigerung der Reichweite um 37 km mit Ultimate Diesel. Die tatsächliche Reichweite kann u.a. nach Fahrzeug und Fahrstil variieren.
3Die CO2e-Einsparung ist berechnet von der Kraftstoffproduktion bis hin zum Endverbrauch durch den Kunden („Well-to-Wheel“) entsprechend den Vorgaben der 38. BImSchV und dem Referenzwert 95,1 g CO2e/MJ für 100% fossilen Diesel. Das 'e' steht für „equivalent“, also in Deutsch „äquivalent“. CO2 ist nicht das einzige Treibhausgas (THG); bei der Herstellung und Verbrennung von Brennstoffen können auch andere THG wie Stickoxide (NOx) und Methan (CH4) in geringen Mengen emittiert werden. In Übereinstimmung mit den üblichen Berichterstattungspraktiken werden die Emissionen all dieser Treibhausgase summiert und in CO2-Äquivalenten (CO2-äquivalent oder CO2e) unter Bezugnahme auf ihr globales Erwärmungspotenzial ausgedrückt.
4 Gemessene CFPP-Werte im Bereich von -24 °C bis zu -34 °C. Der CFPP (Cold Filter Plugging Point) beschreibt die normierte Filtrierbarkeitsgrenze von Dieselkraftstoff. Die Mindestanforderung der DIN EN 590 im Winter liegt bei -20 °C.
5Aral HVO wird aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, die in der Richtlinie (EU) 2018/2001 (RED II) Anhang IX Teil A oder B aufgeführt sind.
6 Well-to-Wheel-Basis. Die CO2-Einsparung (mindestens 85 %) im Vergleich zu reinem fossilem Diesel wird gemäß Artikel 31 Absatz 1 Buchstabe b oder c der Richtlinie (EU) 2018/2001 (RED II) auf Basis der Massenbilanz berechnet. Weitere Informationen finden Sie unter Aral.de. In diesem Dokument wird der Begriff „CO2-Emissionen“ anstelle von„Kohlendioxidäquivalenten“ und „CO2e-Emissionen“ verwendet.
7Geeignet für Fahrzeuge und Motoren, die vom Hersteller für die Verwendung von Kraftstoffen nach EN 15940 gemäß den Richtlinien des Herstellers zugelassen sind.